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"Wir haben Rheuma, na und?

Hamburger Morgenpost, 29.06.2007

PAULA ORTIZ

Annika (8) nimmt Anlauf und schlägt ein Rad. "Das kann ich auch!", ruft Hanna (9) begeistert. Vergnügt hüpfen die Freundinnen am Alsteranleger herum - und es ist ein Wunder, dass sie sich überhaupt so bewegen können. Denn die beiden Mädchen haben Rheuma! Diese Krankheit kennt man eigentlich nur von alten Leuten ... Doch die Zahlen sprechen eine andere Sprache: Allein in Hamburg sind offiziell 1000 Kinder und Jugendliche betroffen.

Annika war zwei Jahre alt, als sie plötzlich nicht mehr laufen konnte. Ihr Vater Holger Eichhorst (44) erzählt: "Wir hielten das für eine Marotte. Als sie jedoch weiter humpelte, gingen wir mit unserer Tochter zum Arzt. Doch der wusste auch nicht, woran es lag." Erst Monate später landeten sie durch einen Tipp bei Dr. Ivan Foeldvari, Hamburgs einzigem niedergelassenen Kinder- und Jugendrheumatologen. Die Diagnose war ein Schock. Aber auch die Rettung. Sonst hätte Annika heute ein steifes Knie!

Um über die angebliche "Oma-Krankheit" aufzuklären, engagiert sich Familie Eichhorst in der Hamburger "Elterninitiative rheumakranker Kinder". So lernten sie auch Snjezana (42) und Klaus-Steffen Nippe (47) kennen. Ihre Tochter Hanna war ebenfalls erst zwei, als sie über Schmerzen im Sprunggelenk klagte. Es folgte eine Odyssee durch die Arzt-Praxen: Hanna bekam Schmerzmittel verschrieben, Blut abgenommen, wurde immer wieder geröntgt und bekam letztlich einen Gips verpasst. Doch all das half nicht. Auch hier war es ein Zufall, dass sie bei dem Experten Foeldvari landeten. Dieser machte einige Test und sagte: "Ihre Tochter hat Kinder-Rheuma."

Der nächste Schreck folgte einige Tage später: Bei der Kleinen betraf die Krankheit nicht nur die Gelenke. Bei einer Augenuntersuchung wurde festgestellt, dass Hannas Sehkraft dramatisch abnahm. Sie war kurz davor zu erblinden! Jetzt half nur eine Not-OP. Außerdem musste Hanna starke Medikamente nehmen. "Wir hatten eine wahnsinnige Angst um unser Kind", erinnert sich die Mutter. Doch die Therapie schlug zum Glück an. Hanna gewann einen Großteil ihrer Sehkraft zurück. Heute erinnert eine Spezialbrille (16 bis 19 Dioptrin) an die schlimme Zeit.

Was bleibt, ist die Angst. Hanna und Annika können zwar wild toben, doch sie gelten nicht als geheilt. Die Krankheit kommt schubweise und keiner weiß, was die Zukunft bringt. "Wir hoffen das Beste", sagt Holger Eichhorst. Familie Nippe nickt.

Info:
Mehr Infos gibts unter www.kinderrheuma.de. Der 7. Bären-Lauf zu Gunsten rheumakranker Kinder startet am Sonnabend um 15 Uhr am Jungfernstieg. Treffpunkt ist das Restaurant "Alex". Kinderrheuma ist eine chronische Autoimmunerkrankung. Bei der rheumatischen Entzündung greift das Abwehrsystem, das sich eigentlich gegen Störenfriede von außen (z. B. Bakterien) richten soll, körpereigenes Gewebe an. Es gibt sehr unterschiedliche Krankheitsbilder Es können einzelne Gelenke (u. a. Knie, Rücken) betroffen sein. Genauso können es auch die Augen (unsichtbare, schmerzlose, innere Zerstörung), die Haut (Rötung), Muskeln oder innere Organe sein. In Deutschland ist etwa jedes 800. Kind erkrankt.

Ressort: HH Hamburg"



Pressesprecher

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Email presse@kinderrheuma.de


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